Gesundheitspolitischer Brief 16. März 2015

Gesundheitspolitischer Brief 16. März 2015

Wir zeichnen uns durch ein breites Spektrum unterschiedlichster Branchen aus.

GESUNDHEITSPOLITISCHER BRIEF

Wöchentlicher Nachrichtenüberblick zur deutschen Gesundheitspolitik

GPB 11. KW 2015; Montag, 16. März 2015

Der Deutsche Pflegetag hat mal wieder geballt die Herausforderungen aufgelistet, die im Bereich der Kranken- und vor allem Altenpflege vor uns liegen. Kern des Problems ist die fehlende gesellschaftliche Anerkennung des gesamten Berufsfeldes, was sich natürlich vor allem in fehlenden Euro ausdrückt. Das einzige Instrument, um an dieser Situation etwas zu ändern, ist in unserem ökonomisierten Zeitalter vermutlich ein deutlicher Hinweis auf den Wertschöpfungsanteil, den die Pflege in der Versorgung einnimmt. Vor allem im Krankenhaus taucht ja die Pflege in den Krankenhausfinanzierung bislang nicht auf. Medizinische und pflegerische Versorgung fließen damit in einem Topf zusammen, in dem fast zwangsläufig der medizinische Anteil dominiert. Eine „Pflege-DRG“ könnte hier Abhilfe schaffen – wenn sie einigermaßen schlank und mit geringem Bürokratie-Aufwand konstruiert ist (darf man das hoffen?). Das eigene Budget, das sich dann aufbauen würde, könnte zu einer eigenständigen und selbstbewussten Versorgungsebene im Krankenhaus führen. Könnte – wenn nicht neues bürokratisches Chaos zu befürchten wäre…

Aber selbst wenn das eine brauchbare Lösung für die Pflege im Krankenhaus wäre: Der Altenpflege ist damit noch nicht gedient. Auch hier würde natürlich schlicht „mehr Geld“ helfen – das die Bundesregierung dankenswerter Weise deswegen auch bereits losgeeist hat. Die Welle der Pflegebedürftigen, die auf uns zurollt, dürfe damit aber noch nicht erfolgreich gemeistert werden. (Und nur so nebenbei: Die Welle sind wir!) Hier müssen sich die Rahmenbedingungen grundlegend ändern, um den Beruf (wieder) attraktiv zu machen. Dabei drückt sich gesellschaftliche Wertschätzung nicht nur in finanzielle Zuwendung aus, sondern auch in einem klar erkennbaren Vertrauen zum Berufsstand insgesamt und zu den Pflegekräften vor Ort. Was aber im Moment durch so genannte Qualitätssicherung geschieht, ist die Entmündig und Gängelung einer ganzen Branche mit dem Verweis auf die „Belange der Pflegebedürftigen“ als Totschlagargument. Nur: Wir steigern auf dem aktuellen Kontrollweg nicht etwa die Pflegequalität, sondern vor allem den Pflegedokumentationsaufwand. Und wir vernichten dabei die intrinsische Motivation einer ganzen Berufsgruppe, die in allererster Linie pflegen und helfen will. Wenn wir aber weiter Zeichen aussenden, die den Pflegekräften signalisieren „Ihr seid 1. faul und 2. blöd“, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn´s mit dem Nachwuchs hapert (und das bei steigendem Bedarf)! Grundsätzlich bräuchten wir also ein Qualitätssicherungssystem, dass nicht 100 Prozent kontrolliert, um die vielleicht fünf unterperformanten Prozent zu erwischen, sondern wir müssten uns ein System überlegen, in dem die 95 Prozent gut und hochmotiviert arbeitenden Kräfte gestärkt und die letzten fünf Prozent trotzdem gefunden und ggf. sanktioniert werden. Von diesem Ansatz scheinen wir im Moment meilenweit entfernt. (Auch, so hat man manchmal den Verdacht, weil die 100- Prozent-Kontrolle eine boomende und nie versiegende Wirtschaftsbranche nach sich zieht.)

PDF-DOWNLOAD:  GPBos_11_KW_2015 (134 KB)

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